21.05. 2012 - 05:14

Skandinavien 2001, von den Messerschmitts

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Schon im Vorjahr hatten wir ernsthaft in Erwägung gezogen, dem Eismeer wieder einen Besuch abzustatten.

Als dann heuer dieses Reiseziel feststand, blieb noch die Frage nach der Anfahrt. Irgendwann tauchte die Idee auf, doch wieder einmal über Finnland zu fahren, die horrenden Preise der Fährüberfahrten vom Norden Deutschlands nach Finnland ließen uns allerdings zurückzucken.

Um Weihnachten besuchte mich ein ehemaliger Kollege, der viele Reisen in den Osten unternimmt, allerdings entweder individuell mit der Bahn oder als Reiseleiter bei Bus-Gruppenreisen. Er versuchte, uns von einer Anfahrt über das Baltikum zu überzeugen und unsere Bedenken bezüglich Sicherheit, Verständigungsproblemen etc. in den Wind zu schlagen.

In der Folge stellte ich eine dahin gehende Frage in die Newsgroup de.rec.reisen.camping, da ich der Meinung bin, dass sich Bahn- und Busreisen nicht unbedingt mit einer Wohnmobilreise vergleichen lassen.

Die Antworten waren durchaus aufmunternd und positiv. So fuhren wir also am 14. Juli 2001 los. Wir, das sind drei Erwachsene in einem Wohnmobil PhoeniX 7500G "Hannibal"...




Tag 1: Graz - Bratislava - Kraków (Krakau) (635 km)


Ungewöhnlich ist die Strecke, auf der wir Graz verlassen. Sonst geht es immer entweder in Richtung Norden, allenfalls nach Süden, diesmal wenden wir uns in Richtung Osten und fahren auf der Südautobahn A2 in Richtung Wien und dann weiter über Eisenstadt zum österreichisch-slowakischen Grenzübergang Kittsee. Gleich nach dem österreichischen Grenzposten, dem unsere Ausreise ziemlich egal ist, findet sich ein Häuschen, in dem man nicht nur Geld wechseln und beim ÖAMTC Rat und Hilfe suchen kann, sondern auch die Autobahnvignetten für die Slowakei bzw. Österreich erhält.

Ich verlange eine Vignette für ein Wohnmobil über 3,5 t, der Verkäufer fragt kopfschüttelnd: "Sind sie sicher - über 3,5 t?"

Ich erhalte dann eben eine Vignette für einen LKW bis 12 t (ATS 130.-), kann leider aber nicht mit der Kreditkarte zahlen - das fängt ja gut an! Der slowakische Beamte kontrolliert unsere Reisepässe genau und fragt noch, wohin wir wollten.

"In die Slowakei und vielleicht ein wenig nach Polen", antworte ich, um ihm nicht erklären zu müssen, dass wir die Slowakei nur zum Transit missbrauchen wollen.

Die Autobahn führt in das Stadtgebiet von Bratislava (Pressburg): Supermärkte und Werbeplakate von im Westen bekannten Firmen fallen auf. Da die Autobahn z.T. im Stadtgebiet neu gebaut wird, geht es über eine Umleitungsstrecke, die allerdings exzellent ausgeschildert ist. Dann geht die Autobahn hinaus aus der Stadt, vorbei am Flughafen, und plötzlich ist man inmitten von weiten Weizenfeldern.

Sehr heiß ist es geworden, unsere Außenthermometer melden beide 32 °C. Wir sind froh, dass unser Hannibal eine Motorklimaanlage hat. Die Autobahn führt durch ein weites Tal nach Norden, die Berge im Westen und Osten werden im Dunst erst nach und nach erkennbar. Die Landschaft ist nicht zersiedelt, dafür sieht man auch in den kleinen Ortschaften Hochhäuser. Überall sieht man Menschen, die in den Bächen und Flüssen baden. Wie es wohl um die Wasserqualität bestellt ist?

Bis kurz vor Tren¹ín geht die Autobahn, die dann in eine Bundesstraße mündet. Endlich werden die Berge gut erkennbar und schließlich zeigt sich auch die Hohe Tatra. Auf halbem Weg zwischen Martin und Ruûomberok wenden wir uns nach Norden. Von hier bis zur Grenze sieht man eigenartige alte Holzhäuser, die immer mit der Giebelseite zur Straße stehen, über jeder Fensterfront gibt es ein Vordach. Man sieht alte, in Schwarz gekleidete Frauen, daneben ist die mittlere und jüngere Generation gekleidet wie wir auch. Sogar Pferdefuhrweke tauchen im Straßenbild auf! Nach einem Grenzübertritt von fünf Minuten geht es nach Polen.

Straßendörfer tauchen auf in dieser Hügellandschaft. Rinder stehen angepflockt auf den Weiden und werden jetzt am Abend von den Besitzern nach Hause geholt.

Auf dem Campingplatz "Camping Korona" in Gaj, etwa 10 km südlich von Kraków (Krakau) in den Hügeln gelegen, schlagen wir unser erstes Nachtquartier auf (ZL 56.- + ZL 10.- für Frischwasser). Der Platz ist sauber, gut ausgestattet und man spricht Englisch. Wir werfen noch ein paar Fleischlaibchen auf den Grill, ehe uns die Gelsen ins Wageninnere vertreiben.




Tag 2: Kraków - Kielce - Radom - Warszawa (Warschau) - Pultusk - Elk (548 km)


Der Tag beginnt mit einer heißen und schwülen Nacht, in der wir die Dachklimaanlage nicht eingeschaltet haben, weil wir meinen, dass dies auf einem Campingplatz zu laut sein könnte, obwohl man sogar in der nächsten Umgebung des Wohnmobils nichts mehr von ihr hört.

Um 5.45 Uhr beginnt es stark zu regnen. Die Fenster müssen geschlossen werden, dafür schalten wir die Klimaanlage ein, endlich wird es kühl! Um 7.45 Uhr hört diese aber plötzlich auf zu arbeiten. Was ist los? Ein paar Minuten später ist alles wieder in Ordnung, der Strom ist wieder da.

Offensichtlich ist das Stromnetz zu schwach, denn auch der Kühlschrank war am Vorabend zweimal auf Störung gegangen, was sich jetzt durch starke Spannungsschwankungen erklären lässt. Angesichts der Hitze verzichten wir auf ein Sightseeing in Krakov, aber wir beschließen, einmal eine Osteuropatour zu machen. Es wird heißer, heißer, noch heißer... Dennoch sieht man große Menschenmengen in Kirchen strömen. Sie sind alle schön gekleidet und gehen offensichtlich oft auf Landstraßen auch weite Strecken - trotz der Hitze - um dem Sonntagsgottesdienst beizuwohnen.

Dass die Katholische Kirche in Polen viel Einfluss hat war bekannt, dass die Volksfrömmigkeit so sehr gelebt wird, allerdings weniger. Was machen die Polen sonst noch an einem solchen Sonntag? Vor Warszawa fährt man durch ein Obstanbaugebiet, da werden Kirschen, Äpfel, Birnen und Zwetschken an der Straße verkauft, nach der Hauptstadt fahren wir durch ein Waldgebiet, wo neben der Straße Pilze (Eierschwammerl) verkauft werden.

Massen von Städtern strömen abends dann von Badeausflügen nach Hause. Man sieht, wie viele Menschen auf kleinen Steinbänken vor ihren Grundstücken sitzen und das Treiben auf der Straße beobachten.

Wieder sehen wir viele Weidetiere, die angepflockt auf einer Weide stehen. Auch die Pferdefuhrwerke sind wieder zu sehen, Störche gibt es ebenfalls viele. Das Land ist nicht zersiedelt und vor allem in Masurien gibt es sehr einsame Landstriche. Die Straßen sind in der Regel schlecht, tiefe Schlaglöcher und Spurrillen machen ein zügiges Weiterkommen unmöglich.

Unser geplantes Tagesziel bei Suwalki können wir so nicht erreichen. Auf der Straßenkarte finden wir bei Elk ein Campingplatzsymbol. Im Ort weist eine große Reklametafel auf ein Hotel mit angeschlossenem Campingplatz hin. Die holprige Straße führt durch einen kleinen Wald und endet an einem See.

Daran steht ein "Hotel" in Plattenbauweise, das früher sicher einmal ein Paradies für manch einen Parteibonzen war mit einem Strand, auf dem einige Zelte und eine Verkaufsbude stehen. Dort bedeutet man uns, dass der eigentliche Campingplatz an der Straße gegenüber dem Hotel liege, die Rezeption sei auf dem Grundstück. Das Ganze entpuppt sich als ein Holzhäuschen, das auch schon bessere Zeiten gesehen hat und in dem die Campingplatzbetreiber wohnen. Um dieses Häuschen ist ein recht netter Garten mit eher niedrigen Bäumen angelegt. Im Garten verstecken sich noch fünf kleine Mietholzhütten, von denen drei belegt sind. Auf der Wiese unter den Bäumen steht ein Pole mit Wohnwagen und Vorzelt.

Unser Hannibal kann da nur auf dem Parkplatz stehen, elektrischen Strom verweigern wir. Man bemüht sich zwar eine Steckdose zu finden, doch die Installation erscheint uns sehr suspekt.

Wir sind froh, Klo und Dusche im Wohnmobil nutzen zu können, denn für die ganze Anlage gibt es nur ein "Badezimmer", in dem sich Klo und Dusche gleichzeitig befinden. (ZL 20.-)




Tag 3: Elk - Augustov - Suwalki - Kaunas - Riga - Jurmala (503 km)
Stinkschwül ist die Nacht, der Schlaf ist alles andere als erquicklich und damit eventuell mehr Luft ins Wohnmobil kommt, rollen wir sogar die Insektenschutzrollos weg und lassen die Gelsen Gelsen sein.
Das Aufstehen morgens ist eine Wohltat. Wie kann man nur im Sommer freiwillig nach Italien, Südspanien oder Griechenland fahren? Während wir uns zur Abfahrt fertig machen, trabt ein Pferd mit Fuhrwerk und Fohlen vorbei, dann kommt noch ein Kleinlastwagen und der Fahrer verkauft auf dem "Campingplatz" Getränke und das Nötigste.

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Entlang an ein paar kleineren Seen und durch einige tiefe Wälder geht es zur polnisch-litauischen Grenze. Die Grenzstadt Suwalki ist in diesem Gebiet das einzig größere Zentrum, die Straßen sind auch wieder etwas besser. Man sieht fast nur mehr Fahrzeuge aus Polen, dem Baltikum, Russland, Weißrussland und der Ukraine, kaum mischt sich ein Fahrzeug aus dem "Westen" darunter.
Am ehesten sind es Wohnmobile aus Deutschland, deren Fahrer und Beifahrer dann lebhaft grüßen. Schließlich erreichen wir den Grenzbereich, der sichtlich nicht für ein größeres Fahrzeugaufkommen errichtet wurde. Zuerst geht es zur polnischen Abfertigung. Dort gibt es sogar einen Stempel in den Reisepass. Dann wird man in einen weiteren Bereich geleitet, wo man an einem Schalter die Haftpflichtversicherung (DM 39.- für 2 Wochen) für das Fahrzeug kaufen muss.

Da vor uns auch einige Fahrzeuge sind, warte ich hier am längsten und leider auch in der prallen Sonne. Die Dame am Schalter arbeitet flott, man kann in Deutschen Mark oder Dollar bezahlen und bekommt das Wechselgeld in der Landeswährung, dem Litas. So sind wir nun stolze Besitzer einer 2-Litas-Münze, was etwa 1 DM oder 0,5 Euro entspricht. Nun kann man zur litauischen Grenzabfertigung fahren. Dort werden die Reisepässe und die Fahrzeugpapiere ("Autopass") nochmals kontrolliert und die Pässe abermals gestempelt. Nach 55 Minuten ist die ganze Prozedur des Grenzübertritts vorbei, die in den vergangenen Jahren bis zu sieben Stunden gedauert haben soll.

Noch im Vorjahr war angeblich unter zwei Stunden nichts zu machen. Die ersten Kilometer in Litauen gehen auf etwas schlechterer Straße dahin, ab dem grenznahen Ort Kalvarija, in dem man viele verfallene und vielleicht auch zerstörte Kasernen aus der Sowjetzeit sieht, geht es auf der nun sehr gut ausgebauten Via Baltica dahin. So gibt es z.B. für Kaunas eine weiträumige Umfahrungsstraße, die selbst auf meiner ganz neuen Litauenkarte noch nicht zu finden ist.

Das Land ist weit und offen. Weite Wiesen und Felder zeigen sich, auf den Wiesen ist wieder das angepflockte Weidevieh und mittags sieht man Leute, die mit der Milchkanne in der Hand zum Melken auf die Weide gehen. Und da sind auch die vielen Störche! Zunächst weist jeder von uns auf einen gesichteten Storch hin, als es dann immer mehr werden, die sogar in Gruppen auf den Wiesen nach Futter suchen, meint einer von uns, dass weniger als fünf Störche auf einem Fleck wohl keiner besonderen Erwähnung mehr bedürften. Nach einer kurzen Abfertigung an der litauisch-lettischen Grenze, bei der neben der Kontrolle von Reisepässen, Autopapieren und der Grünen Versicherungskarte auch das Innere des Wohnmobils inspiziert wird, geht es in kurzer Fahrt nach Riga.

Im Vorort Jurmala, der früher Erholungsort für hochrangige Sowjets war, gibt es einen Campingplatz. Camping Nemo liegt direkt bei einem "Wasserpark" im Wald, die erste Schwierigkeit gibt es an der Rezeption, weil man dort keine Kreditkarten nimmt. Man weiß auch nicht, wo es einen Bankomaten gäbe. So machen wir uns auf die Suche.

Wir fahren nochmals Richtung Riga, ein Plakat mit "Banca automata" und den einschlägigen Symbolen führt mich in ein Rehabilitationszentrum. Hier gibt es den Automaten. Der Campingplatz ist völlig überfüllt (Ls 7,50). Die Bewohner von Hütten (ca. 10), Zelten (ca. 30) und Wohnmobilen (ca. 50) und einem Autobus vor der Schranke, dessen Insassen auf einem schmalen Wiesenstreifen auf dem Parkplatz zelten, teilen sich nur 6 (!) WC-Dusche-Kombinationen. Anstellen ist vorprogrammiert. Wehe, wer das nicht schafft! Dem Radau, den einige junge Finnen unter Einwirkung von lettischem Bier machen, wird dann um 22 Uhr durch ein heftiges Gewitter mit schweren Regengüssen ein Ende bereitet.




Tag 4: Jurmala - Riga - Pärnu - Tallinn (364 km)


Nach einer gewittrigen Nacht ist es in der Früh wieder sehr warm und schwül. Wir fahren durch Riga, direkt an der Innenstadt vorbei, die recht hübsch zu sein scheint. Ein Stadtbummel gefällig? Nicht diesmal, nicht bei dieser Hitze!

Als nächstes muss wieder einmal eingekauft werden. Wir finden einen ganz neuen Supermarkt. Was wird es wohl hier zu kaufen geben? Waren gibt es aus ganz Europa, sehr viele deutsche Waren, aber auch Einheimisches, z.B. Bier aus Lettland und Russland.

Die Weckerl - dunkel und hell - sind köstlich, Kipferl und Blätterteigeckerl sind nicht mit Schokolade sondern mit Fleisch gefüllt, es gibt eingelegte Gurkerl und andere Köstlichkeiten, dabei ist alles sehr sauber und gepflegt.

Und wie verständigt man sich? Man zeigt z.B. mit freundlichem Lächeln auf den Schinken und dann auf die Wurstschneidemaschine und wenn es dann genug ist, dann sagt man einfach: "Stop!" Nun wird die Landschaft zunehmend "schwedischer", Wälder und Blumen erinnern an Skandinavien, wären da nicht die Störche... Der Grenzübergang nach Estland gleicht dem von Litauen nach Lettland und ist in 10 Minuten passiert.

Bald ist Tallinn erreicht. Zunächst fahren wir zum Fährterminal, um uns für den nächsten Tag die Überfahrt nach Helsinki zu sichern. Die Mittagsüberfahrt ist leider schon ausgebucht, die Frühüberfahrt ist aber noch möglich. So kaufen wir die Tickets und fahren dann zum Campingplatz am Fernsehturm. Der ist klein und alt, aber kaum belegt und sauber ( EEK 275.-). Die Dame an der Rezeption spricht sehr gut Englisch und so bringe ich in Erfahrung, dass ein Wetter mit solch hohen Temperaturen in dieser Region alles andere als üblich sind. Wieder wird es gewittrig. Zuerst wird es finster, dann kommt ein Sturm auf und am Fernsehturm hört man diesen deutlich singen. Schließlich kommen auch schöne Blitze, die oft in den Turm einschlagen. So etwas habe ich zuvor noch nie gesehen.




Tag 5: Tallinn - Helsinki - Rastila (25 km)


Der Wecker läutet um 7 Uhr Osteuropäischer Sommerzeit - Blitzfrühstück - ab zur Fähre. Um ca. 7.50 Uhr sind wir dort, um 8 Uhr soll das Check-in beginnen, aber: Es kommt und kommt niemand zum Check-in, es kommen auch keine weiteren Überfahrwilligen. Irritation ist die Folge. Schließlich versuche ich eine Menschenseele zu finden. Da kommt auch des Rätsels Lösung: In Estland gibt es keine Sommerzeit!

So sind wir eine Stunde zu früh aufgestanden... Beim Check-in, das dann zeitgerecht beginnt, kommt dann die nächste Schrecksekunde, allerdings mehr für die junge Dame am Schalter als für uns. Sie meint nämlich kurz, dass unser Wohnmobil auf der Fähre keinen Platz habe, weil es zu hoch wäre. Auf meine Aussage hin, dass die Kollegin am Vortag beim Kauf der Tickets das Fahrzeug gesehen habe, greift sie nun zum Telefon und ein paar Momente später wissen wir, dass wir doch mitkommen werden. In pole position warten wir auf die Verladung und dann geht es im Rückwärtsgang aus Estland hinaus. Warum? Die Fähre ist ein Katamaran, PKWs wenden im Schiff, die 3 - 4 längeren und höheren Fahrzeuge müssen entweder bei der Beladung oder der Entladung verkehrt fahren.

Die Überfahrt dauert 90 Minuten. Wir beobachten das Treiben auf der Brücke, da diese vom Fahrgastraum nur durch Scheiben getrennt ist. Die Einfahrt in Helsinki ist in dieser Position herrlich. Bei der Zollabfertigung werden wir zur Seite gewunken. Jetzt kommt es auf, dass wir ein paar Lagen Dosenbier aus Österreich und Flaschenbier aus Lettland und ein paar Flaschen französischen Wein an Bord haben. Aber nein, der Zollbeamte will sich nur vergewissern, ob blinde Passagiere an Bord wären.

Dann geht es durch die Innenstadt zum Campingplatz Rastila (FIM 130.-), zuvor wird noch einmal eingekauft. Der Campingplatz liegt für Helsinki-Besuche günstig an der Metro, ist aber leider eine Baustelle und überfüllt. Und dann folgt noch ein Gewitterguss auf den nächsten, dazwischen brennt die Sonne herunter. Und da sage einer, im Norden wäre es kalt! Auf jeden Fall verschieben wir einen Helsinki-Besuch einmal auf den nächsten Tag. Dafür läuft wieder die Klimaanlage...




Tag 6: Rastila - Porvoo - Hamila - Lappeenranta - Imatra - Punkaharju (395 km)
Nach einer neuerlichen Unwetternacht ist es morgens wieder heiss; und schwül. Da ein Helsinki-Besuch entweder mit drückender Schwül;le oder mit Güssen verbunden wäre, wird er - zumal wir ja vor vielen Jahren schon einmal hier waren - vom fakultativen Besuchsprogramm gestrichen.Nun geht es auf entspannte Fahrt auf den nicht überfüllten Strassen des Nordens. Mittags gibt es die erste Rast an einem See mit Bade- und Angelsteg.

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Die naechste Station machen wir am Saimaa-Kanal, der den Saimaa mit dem russischen Viborg verbindet. Man kann hier sogar ohne russisches Visum Tagesfahrten machen, die allerdings mindestens fünf Tage im Vorhinein gebucht werden müssen, was somit für uns ausser Diskussion steht. Dann besichtigen wir das Kraftwerk mit seinen sieben Turbinen in Imatra, wo das Gefälle des Saimaa zur Ostsee hin genützt wird.

Hier gab es einstmals Stromschnellen, die dem Kraftwerk weichen mussten. Nur in der Tourismussaison wird täglich um 19 Uhr der Wasserfall wieder zum Leben erweckt.
Entlang der russischen Grenze geht es dann weiter nach Punkaharju, mit herrlichen Ausblicken nach rechts und links auf die Seen.
Der See am Campingplatz in Punkaharju (FM 105.-) lädt mit seinen 23 °C zum Baden ein, die Lufttemperatur von 28 °C ebenfalls. Und als es nach einem Gewitter wieder schön geworden ist, sieht man um 22.30 Uhr wieder Kinder im Wasser plantschen...




Tag 7: Punkaharju - Savonlinna - Kerimäki - Joensuu - Vuokatti bei Sotkam (334 km)


Der Morgen ist klar, die Sonne strahlt abermals, wir fahren nach Savonlinna, wo in einer finnischen "Bilderbuchlandschaft" die mächtige Burg Olavinlinna direkt auf einem Inselchen im See liegt.

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Diese Insel ist über eine Pontonbrücke zu Fuß erreichbar, die mächtigen Mauern der Burg sind beeindruckend. Dazu glitzert das Wasser des Sees und kleine Boote beleben das Bild... Dann geht es weiter in das nahe Kerimäki, wo die größte Holzkirche des Landes steht. Der große Holzbau steht auf einem kleinen Hügel und ist im Inneren ganz hell. Eindrucksvoll sind die großen eisernen Öfen - ob die heute wohl noch geheizt werden? Wo macht man Mittagspause? Natürlich ist es wieder an einem See, ehe da große Kilometerfressen beginnt. Der Verkehr wird weniger und weniger. Roland fährt 180 km mit dem Tempomaten, ohne - außer zu lenken - irgendwas zu tun.

Einsam wird es erstmals, fast eintönig. Irgendwann tauchen ein paar Hügel auf,was wir nach so vielen Tagen Flachlands als sensationell empfinden, die Karte sagt, sie seien 300 m hoch.

Der Campingplatz in Vuokatti (FIM 80.-) liegt natürlich wieder an einem See, der diesmal ein sehr flaches Ufer hat und wieder mit einer Wassertemperatur von über 20 °C aufweisen kann.




Tag 8: Vuokatti - Paltamo - Pudasjärvi - Rovaniemi (353 km)


Fast eintönig ist die Fahrt über die Hochflächen: Wald, Wald und nochmals Wald, dann und wann ein Gebäude, eine kleine Siedlung. Zwischen Pudasjärvi und Rovaniemi steht in fast jeder Waldeinfahrt, an jedem Waldweg ein Wohnmobil oder ein Wohnwagen. Unweit davon sieht man Leute mit Kübeln im Moor umherstreifen. Sie sammeln Moltebeeren, die eine Köstlichkeit sein sollen.

Ohne Stiefel ist da aber leider nichts zu machen, ich melde daher auch erst gar nicht den Wunsch an, selbst auf Beerenjagd gehen zu wollen. Wenn wir zu dieser Jahreszeit wieder dahin kommen sollten, nehme ich sicher Stiefel mit.

In Geschäften gibt es diese gelben himbeerartigen Beeren leider nirgendwo zu kaufen. Einer der beiden Campingplätze in Rovaniemi (Camping Ounaskoski, FM 160.- + FM 20.- Strom) liegt direkt am Fluss. Hier bekommen wir auch noch einen Platz in der ersten Reihe. Der Polarkreis ist nur ein paar Kilometer entfernt, was natürlich gebührlich gefeiert werden muss. So wird eine Flasche französischen Rotweins auf dem Dach des Wohnmobils gekühlt...




Tag 9: Rovaniemi - Sodankylä - Ivalo - Inari (333 km)


Der Sonntag empfängt uns mit entsprechendem Wetter: blitzblauer Himmel, 14 °C! Zunächst besuchen wir das Arktikum, einen Museumsbau, der fast vollständig unter der Erde liegt, nur eine zentrale Lichtleiste bringt viel Helligkeit in den Bau.

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Die Ausstellungen sind recht interessant, besonders interessiert uns das Leben der Völker in den arktischen Regionen.

Vieles ließe sich auch in einem Buch gut darstellen, doch einen Einbaum "live" zu sehen, ist auch nicht ohne. Das Leben der Sami wird ebenfalls sehr ausführlich dargestellt, wie auch die Geschichte Rovaniemis, das im Zweiten Weltkrieg fast völlig zerstört wurde. Ein letztes Mal für einige Zeit kaufen wir noch einmal "ordentlich" Lebensmittel ein, da dies im benachbarten Norwegen viel schwieriger ist. Dann geht es wieder ab in die Einsamkeit. Dann und wann sieht man Häuser, kurz vor Sodankylä sehen wir sogar Rinder auf der Weide!

Da können sie wahrscheinlich nur zwei, allenfalls drei Monate sein und der Bauer braucht viel zusätzliche Wiesenflächen, um genug Futter für die restlichen neun Monate im Jahr zu haben. Der Bewuchs wird immer niedriger und karger und plötzlich - die ersten Rentiere an der Straße und dann werden es immer mehr!



Unser "Nachtlager" liegt am Ufer des Inari-Sees (Camping Lomakylä). Hier hat "man" natürlich nicht nur einfache Boote sondern auch Wasserflugzeuge...




Tag 10: Inari - Utsjoki - Vadsø - Vardø - Hamningberg (367 km)


Einsam ist es auf den Fjells zwischen Inari und Utsjoki, zunächst sind da nicht einmal Rentiere. Dazu passt auch das trübe Wetter mit gelegentlichem Nieselregen - "so richtig skandinavisch". Am Varangerfjord scheint wieder die Sonne.

Überraschend lieblich ist die Landschaft und erinnert in der Vegetation an den Bergfrühling in den Alpen: Glockenblumen, Schafgarbe, Hahnenfuß usw. Sogar Rinder sieht man dann und wann auf der Weide. In Vadsø schauen wir uns den Luftschiffsmast an, den einzig erhaltenen in Europa.

Von hier fuhr man dereinst auf die Polarroute. Nach Vadsø gibt es die ersten herrlichen Ausblicke auf das Eismeer, die Landschaft erinnert ein wenig an Schottland oder Nova Scotia.

Der Campingplatz in Vardø gefällt uns lagemäßig gar nicht und so fahren wir weiter. Die Straße wird einspurig mit Ausweichen, sie geht durch schroffes Felsgelände mit Ferienhäuschen und durch fast liebliche Buchten. Am Ende der Straße ist das fast verlassenen Fischerdörfchen Hamningberg, dann sind da noch ein paar Befestigungen aus dem Zweiten Weltkrieg und ein deutsches Auto.

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Auf einem Parkplatz bei einem Denkmal schlagen wir unser Nachtquartier auf, an einer Bucht mit Möwengeschrei und Brandung...



Tag 11: Hamningberg - Vardø - Vadsø - Tana bru - Berlevåg (317 km)


Die erste "Sensation des Tages" ist eine Herde von etwa 100 Rentieren, dann zieht uns die Eismeerstraße (Vegen til Ishavet) von Tana bru nach Berlevåg in ihren Bann. Zuerst geht es den Tana-Fjord entlang, an dem es noch relativ viele Häuser gibt, dann beginnt die einsame Passage über das Fjell.

Es gibt Seen, dann und wann Ferienhäuschen und kahle Felsen, bei denen man die geologische Formation genau erkennen kann. Dann geht es wieder bergab und man sieht wieder das Eismeer. Entlang der Küste geht es vorbei an schroffen Felsen - ähnlich wie am Vortag aber auf besserer Straße. 120 km sind es von Tana bru nach Berlevåg, 120 km, die sich lohnen.

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Der kleine Campingplatz in Berlevåg (NOK 130 .-) liegt am Hafen und ist sehr sauber, die Besitzerin ist jung, freundlich und sehr kommunikativ.
Die paar Gäste, die es hierher verschlagen hat, kommen auch bald ins Gespräch. Gibt es heute die Mitternachtssonne? Die lokale Zeitung sagt "Ja", ein paar Wolken am Horizont lassen es noch spannend werden.

Die Campingplatzbesatzung - es sind kaum zehn Leute - versammelt sich beim Eingang zur Rezeption und tauscht während des Wartens auf den Zeitpunkt "X" Erfahrungen aus.

Um 23 Uhr kommt dann das Hurtigruteschiff, das nach Kirkenes fährt mit lautem dreimaligem "Tuuut" in den Hafen, 15 Minuten später folgt das Schiff, das von Kirkenes kommt.


Und die Sonne? Sie scheint die ganze Nacht, am Tiefststand um ca. 0.30 Uhr steht sie ganz deutlich über dem Horizont.




Tag 12: Berlevåg - Tana bru - Lakselv (351 km)


Bei abermals blitzblauem Himmel treten wir die Weiterfahrt an. Von Tana bru geht es auf der Straße 98 westwärts, vorbei an vielen Fjorden und über zahlreiche Hochebenen mit Seen, kahl, dann und wann Campingfahrzeuge am Straßenrand - sonst nichts.

Leider ist ein guter Teil des Straßenstücks bis Lakselv gar nicht gut, Schlaglöcher en masse machen das Weiterkommen gar nicht komfortabel. Die letzten 30 km sind sogar mit dem entsprechenden Straßenschild markiert, hier fehlen dann alle 300 m etwa 10 m des Straßenbelags ganz.

In Lakselv ziehen wir die "Notbremse" - es schüttet inzwischen und der lehmige Fahr- und Gehweg auf dem Campingplatz ( NOK 150.-) verwandelt sich in einen See.




Tag 13: Lakselv - Alta - Storslett - Djupvik am Lyngenfjord (323 km)


"Lauter Fjorde" so lautet die Devise dieser Tagesetappe. Bei strahlendem Sonnenschein kurven wir in einen Fjord hinein und auf der anderen Seite wieder hinaus.

Unser Chef meint, der Langfjord, ein Seitenarm des Altafjords, müsse "Sehrlangfjord" heißen. Er hat Recht.

Die Landschaft ist gegenüber der am Vortag wieder etwas lieblicher geworden. Viele Häuser säumen die Fjorde, Blumen, Schafe und auch wieder Bäume stehen am Wegesrand. Dass die Schlaglochrallye wieder weiter geht, steht leider auf einem anderen Blatt. Das Etappenende in Djupvik am Lyngenfjord bietet einen herrlichen Ausblick auf das Wasser und die Berge (Camping Lyngenfjord, NOK 120.-).




Tag 14: Djupvik - Lyngseidet - Tromsø - Bardu (260 km)


Am Morgen beginnt es zu regnen, zuerst sporadisch, dann immer öfter. Mit einer kleinen Fähre für etwa 20 Fahrzeuge, mit Messinggriffen am Steuerrad, geht es über den Lyngenfjord nach Westen. Wie schön wäre das wohl bei besserem Wetter, so kann man die grandiose Kulisse nur erahnen. Die Nussschale schaukelt auch ganz schön, obwohl die Strecke tief im Fjordinneren ist, und wenn man sich in der Cafeteria aufhält, ist man nicht nur zur Hälfte unter und zur Hälfte über der Wasserlinie und sieht das auch noch durch die Luken, sondern es wird einem auch noch mit Garantie übel.

Nach einer weiteren Fährüberfahrt über den Ullsfjord kommen wir nach Tromsø. Das Nordlichtplanetarium soll sehr interessant sein - also nichts wie hin. Über eine hohe Brücke, unter der auch größere Schiffe wie die von der Hurtigroute durchfahren, geht es in einen innerstädtischen Tunnel, wo es sogar im Berginneren einen Kreisverkehr gibt, und dann zum Planetarium. Hier stehe ich vor verschlossenen Türen. Ein englischsprachiger Anschlag sagt, dass das Planetarium geschlossen ist, offensichtlich für längere Zeit. Enttäuscht ziehen wir ab, nichts ist es mit dem Polarlicht, nicht einmal in einem Planetarium.

Die berühmte Eismeerkathedrale wollen wir uns als nächstes ansehen. Diese ist fest in der Hand von Touristen, man muss sogar Eintritt zahlen, um ins Innere zu gelangen. Da das Gebäude aber an der Eingangsfront von oben bis unten verglast ist, sieht man auch von außen gut hinein. Vom Vorplatz hat man einen schönen Ausblick auf die Stadt Tromsø. Wieder beginnt es zu schütten. Was tut man in dieser Situation?

Der ADAC-Führer beschreibt den örtlichen Campingplatz nicht gerade verlockend. Also fahren wir weiter. Leider ist das Nachtquartier am Campingplatz bei Bardu an der E6 - trotz exzellenter Beschreibung im ADAC-Führer - auch nicht gerade das Optimum (NOK 150.-).




Tag 15: Bardu - Sortland - Melbu - Fiskebøl - Lyngvær (325 km)


Das Wetter kann doch nicht so schlecht bleiben!

Wir beschließen, dem Wettergott zu trotzen und doch wieder auf die Lofoten zu fahren. Bei unserem letzten Besuch 1996 war es da ganz verregnet, so muss es doch diesmal besser sein.

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Doch zunächst sieht alles ganz anders aus. Irgendwo hat es sogar nur 5 °C - nein, nicht nur im Kühlschrank, sondern auch außen an der Strecke zwischen Bardu und Sortland.

Der Schnee verbirgt sich hinter Wolken und Nebel. Doch dann - draußen am Fjord - wird es heller und klarer, die Sonne kämpft sich durch, dann gießt es wieder, aber immerhin...

Die Überfahrt von Melbu nach Fiskebøl auf den Lofoten dauert nur etwa 30 Minuten und bietet nun endlich bei klarem Wetter die ersten herrlichen Ausblicke auf Wasser und Inselwelt.

Nach der Ankunft in Fiskebøl geht es gleich durch einen schluchtartigen, engen Fjord, dessen Wasser hellgrün zu sein scheint. So fahren wir nun in der Hoffnung, diesmal mehr von den Lofoten sehen zu können, zum Campingplatz am Ende der Insel Austvågøy (Lyngvær Lofoten Bobilcamp, NOK 100.-, NOK 20.- Strom) und genießen hier am Abend den Blick auf Wasser und Berge.
Doch dann zieht es wieder zu und es beginnt auch zu nieseln. Gar nicht stubenreine Flüche ertönen...



Tag 17: Sandøya - Svolvær - Stokmarknes - Lødingen (243 km)


Um zwei Uhr werden wir plötzlich munter - das Wohnmobil schaukelt, als hätte es Seegang, dazu heult es laut. An Schlaf ist da nicht zu denken. "Kann unser Hannibal umfallen", frage ich Roland etwas besorgt, aber er beruhigt. Gut also, umfallen kann er nicht, aber schaukeln... Vielleicht ist es unten auf der Dinette etwas ruhiger? Ich versuche es dort, wenig Platz ist hier auch, aber irgendwann schlafe ich doch wieder ein wenig.

Roland beobachtet noch, wie ein Zelt eilig abgebaut wird, dann versucht auch er wieder zu schlafen. In der Früh steht unser Hannibal wirklich noch, auch die anderen Wohnmobile sind nicht umgefallen. Ein Wohnmobilfahrer hat noch in der Nacht sein Fahrzeug in den Wind gestellt und so sicher etwas mehr Ruhe gehabt.

Es regnet, regnet.

Auch der Campingplatzbesitzer meint nur "Rain, rain...", und als ich ihn frage wie das Wetter werden soll, antwortet er: "Rain." Aber er verneint vehement, dass dies ein Sturm wäre. Der Wind kommt vom Süden und pfeift durch jedes Tal, durch jeden Talausschnitt mit großer Heftigkeit. Erstaunlich ist es, dass der Seitenwind auf den Brücken harmloser ist als befürchtet. Die Landschaft ist im Regen, im Nebel. Wo sind die berühmten Lofoten-Berge? Von den Bergen schießen Wassermassen, unzählige Wasserfälle säumen den Weg.

Die Fährüberfahrt von Fiskebøl nach Melbu dauert nur etwa 30 Minuten. So ist das Schaukeln auch zu ertragen: Da sieht man nur Meer, dann wieder nur Himmel, dann wieder nur Meer - auf - ab - auf - ab -... Das Hurtigrouteschiff "Finnmark" beim Hurtigrutemuseum in Stokmarknes steht bereits an Land und kann somit nicht mehr schaukeln. Das Museum zeigt die Entstehung und Entwicklung dieser Schifffahrtlinie von den Anfängen bis heute, die "Finnmark", die 1992 außer Dienst gestellt wurde, kann von oben bis unten besichtigt werden.

Abends stellen wir das Wohnmobil am offiziellen Wohnmobilstellplatz (NOK 50.-, NOK 10.- Strom, Ver- und Entsorgung bei Übernachtung NOK 10.-, Dusche NOK 10.-) beim Yachthafen von Lødingen klüger auf. Der Wind heult noch immer, es ist ja kein Sturm...




Tag 18: Lødingen - Kiruna - Esrange - Jukkasjärvi (363 km)


In der Nacht hat sich der Sturm gelegt, der Regen ist jedoch ein treuer Begleiter. Tief liegen Wolken und Nebel - so verabschieden uns die Vesterålen. Auf dem Weg zur norwegisch - schwedischen Grenze (Riksgrensen) zwischen Narvik und Kiruna tut sich plötzlich eine neue "Ur"-Landschaft auf: Felsen, glatt geschliffen vom Gletscher und kaum bewachsen, Seen, dazwischen Sommerhütten. Unwirtlich ist es auch hier: Nebel, Regen, Sturm, 6 °C. Während der einstündigen Mittagsrast kühlt sogar der Motor völlig aus.

Auf der schwedischen Seite, im Lee der Berge, wird es allmählich trockener. Die "berömda bergsprofiler" (so beschreibt es der Autoatlas) beim Abisko-Nationalpark sehen wir nicht, dafür ist der Torneträsk linkerhand ein schöner Anblick, zumal sich ein Regenbogen bildet, der aus dem Wasser zu wachsen scheint und der uns lange Zeit begleitet. Bis Kiruna begleitet uns rechts die Bahnlinie der Erzbahn, dann und wann sieht man auch einen Zug. Rechts und links von der Straße gibt es auch immer wieder Wanderparkplätze, auf denen man 24 Stunden parken darf.

In Kiruna angekommen finden wir auch gleich einen Supermarkt, in dem wir endlich wieder ein ordentliches Warenangebot vorfinden. Scheinbar endlose Wälder begleiten die Straße, dazwischen gibt es Flüsse und Seen, natürlich auch immer wieder Ferienhäuschen und Wanderparkplätze auf dem Weg zur Esrange-Raketenstation bei Jukkasjärvi. Hier betreibt man Atmosphärenforschung. Beim Eingang zur Raketenstation endet die Straße, ich erkundige mich nach Führungen. Nur ab dem Touristenbüro in Kiruna gäbe es Führungen, vielleicht könnten wir uns am nächsten Tag einer solchen anschließen, wenn der Bus herauskommt.

Ich frage, was man sehen könne. Es ist das Gelände mit den Montagehallen, sonst ist es wohl nicht allzu viel. Wir beschließen, hier nicht auf eine ohnehin nicht sichere Führung zu warten. Doch die Raketenreste, die vor dem Gelände ausgestellt sind, bestaunen wir. Diesmal finden wir einen Übernachtungsplatz auf einem Park- und Rastplatz am Torneälven bei Jukkasjärvi.

Endlich gibt es keinen Wind, endlich scheint die Sonne und sie geht sogar gegen 22 Uhr wieder unter!




Tag 19: Jukkasjärvi - Gällivare - Jokkmokk - Arvidsjaur - Sorsele (493 km)


Welcher Eindruck bleibt von dieser Strecke? Es ist die Faszination der weiten und einsamen Wälder, Wälder von einer Größe, die es sonst in Europa wahrscheinlich kaum gibt. Zuerst dominieren noch eher die niedrigen Birken, dann treten die Nadelbäume auf den Plan. Ab und zu gibt es Lichtungen, auf denen dann Menschen fleißig eimerweise Moltebeeren sammeln, dann glaubt man sich wieder auf die Finnische Seenplatte versetzt, dann wieder überquert die Straße einen breit dahinfließenden Strom oder Fluss.

Außer in ein paar wenigen Orten gibt es kaum Besiedlung, auch gibt es nicht viel Verkehr. Zeitweilig ist die Straße brandneu, dann fühlt man sich wieder auf eine überdimensionale Waschrumpel versetzt. Die paar Verkaufsbuden entlang der Straße, in denen die Samen "Souvenirs" verkaufen, sind fast alle geschlossen. Die Nachsaison scheint auch hier schon Anfang August begonnen zu haben. Nicht dass wir den Rentierfellen und Rentiergeweihen nachweinen, die wir ohnehin nicht gekauft hätten! Wie meinte doch ein Bekannter: "Da kaufst du dir so ein Rentierfell und lässt es dann 10 Jahre lang im Garten hängen, weil es so stinkt. Dann wirfst du es weg."

Wo finden wir ein Nachtquartier? Der erste Rastplatz an irgendeiner "Sehenswürdigkeit" liegt für einen von uns im zu finsteren Wald, der zweite bei der Talstation eines Schilifts hat den Charme eines staubigen Hundeauslaufs. Wo "tritt man also das Nest"? - Es ist auf einem sehr schön gelegenen Campingplatz (Camping Sorsele, SEK 130.-), über den aber wegen der Sanitärsituation besser der Mantel des Schweigens gebreitet wird...




Tag 20: Sorsele - Storuman - Vilhelmina - Strömsund - Östersund - Rätan (464 km)


Kaum verlässt man eine Ortschaft, ist wieder Wald und sonst nichts, und der Wald wird höher und dichter. Die Straße 45, der "Inlandsvägen", wird auf einigen Strecken von der "Inlandsbana" begleitet, doch wo ist ein Zug?

Ich habe in der Rezeption des Campingplatzes einen Fahrplan für diese Strecke gesehen, also gibt es auch - theoretisch - eine Eisenbahn, doch ebenso gibt es Blumen zwischen den Schwellen der Geleise.

Nördlich von Östersund tauchen auch mehr Ortschaften auf, die Wiesen werden bunter, das Land wird weicher und lieblicher. Was bleibt, sind die vielen Seen - wie in Finnland fühlt man sich, nur etwas hügeliger ist es. Wir umfahren Östersund. Ein Nachtplatz am Wasser wäre schön.

Wir werden fündig (Campingplatz Rätan, SEK 110.-): 2 km abseits des Inlandsvägen in Rätan am gleichnamigen See können wir bei klarem Himmel und Windstille "Schweden-Klischee" tanken...




Tag 21: Rätan - Sveg - Orsa - Mora - Torsby - Vålberg - Säffle (Vänern) (514 km)


Diese Einsamkeit muss doch bald ein Ende haben - doch nein, weit bis in den Süden gibt es diese unendlichen Wälder, die aber immer öfter durch kleine Orte unterbrochen werden.

Der erste derartige kleine Ort ist Ytterhögdal - mit Kirche und ansehnlichem Laden -, dann folgen die Tourismushochburgen Orsa und Mora und dann kommt wieder diese Einsamkeit, die erst kurz vor dem Vänern ein Ende hat. Doch auch in dieser Einsamkeit gibt es Veränderungen. Der Wald wird abermals dichter, dort wo vor den Häusern Feldbau betrieben wird, werden die Kartoffelpflanzen höher, plötzlich taucht - allerdings schon fast am Vänern - Weizen auf, der in Österreich schon lang abgeerntet ist. Die Häuser werden größer, die Bauernhöfe stattlicher. Die älteren Gebäude sind noch nicht in diesem "Falunrot" gestrichen sondern in naturbelassenem Holz, die Gebäude stehen oft auf Stein-"Füßen". Auch die Temperaturen ändern sich. Nach einer Tiefsttemperatur von 2,2 °C in der vergangenen Nacht klettert das Thermometer nun wieder auf 21 °C.

Abends regnet es dann wieder, aber erstmals ist es wieder richtig dunkel. Wäre es schön, könnte man sicher schon einige der hellsten Sterne erkennen. Die letzte Änderung betrifft auch den Campingplatz. Gab es bisher viel Raum am Stellplatz, so stehen die Fahrzeuge am Campingplatz am Vänern wieder relativ dicht an dicht (Camping Duse Udde, SEK 150.-).




Tag 22: Säffle - Trollhättan (137 km)


Warm ist es geworden und feucht ist es geblieben. Kurze Ärmel sind angesagt.

Die Fahrt nach Trollhättan geht zwar entlang des Vänern, den man aber nie sieht, weil er doch zu weit weg liegt. Dafür läuft in einiger Entfernung ein Tier mit einem Jungen über die Straße und Roland meint, das könne ein Elch gewesen sein. In Trollhättan geht es zunächst zu den Wasserfällen, wo wir auch gleich Mittagsrast machen. Das Wasserfallgebiet liegt trocken, weil das gesamte Wasser durch ein Kraftwerk geleitet wird. Nur zu bestimmten Zeiten während der Tourismussaison lässt man Wasser durch das "alte" Fallgebiet strömen. Da heute Samstag und zudem Hochsaison ist, dürfen wir um 15 Uhr das Schauspiel erwarten.

Von einer Plattform bei der Oscarsbrücke harren wir zusammen mit vielen anderen Schaulustigen de Dinge. Punkt 15 Uhr kommt zuerst im linken Flussbett das Wasser, dann wir auch die Schleuse zum rechten Bett geöffnet und die beiden Wassermassen erreichen so gleichzeitig einen "Pool". Dann arbeitet sich das Wasser - immer mehr anschwellend - vorwärts und wird wirklich zu einem tosenden Fall. Nach etwa sieben Minuten werden die Wasserzuläufe wieder geschlossen, aber es dauert ca. 30 Minuten, bis der "Urzustand" wieder hergestellt ist.

Dann fahren wir noch zum SAAB-Bilmuseum, hier sind einige Fahrzeuge der SAAB-Familie ausgestellt, vom "Ursaab" bis zum neuesten Modell. Eindrucksvoll ist auch die Darstellung der Sicherheitsmaßnahmen bei heutigen Fahrzeugen und ein Unfallfahrzeug.

Weil es sich noch so schön zeitlich ausgeht, machen wir auch noch einen kurzen Besuch im nebenan liegenden Innovatum, einem Naturwissenschaftsmuseum, und spielen dort entzückt mit Kreiseln und Wirbeln und Bällen auf Luftströmen... (Camping Trollhättan, SEK 160.-)




Tag 23: Trollhättan - Göteborg - Malmö - Öresundbrücke - Kopenhagen (419 km)


Wir verlassen Trollhättan. Nun fahren wir entlang des Götaälv, auf dem sogar Schiffe fahren.

Das Land wird nun reich an Getreide und gegen Göteborg hin tauchen zahlreiche große Firmen auf. Die Fahrt auf der Autobahn wird relativ fad: viel Verkehr, selten Ausblick auf das Meer, ein paar Hügel und vor der Mittagsrast ein Kurzbesuch in den Dünen. Doch dann erreichen wir Malmö und damit die neue Öresundbrücke. Vor zwei Jahren fehlten hier noch zwei Segmente, jetzt kostet der Spaß der Überquerung für uns SEK 650.-, aber die Brücke ist beeindruckend.

Dann treibt es uns durch Kopenhagen, wir wollen auf einen Campingplatz im Norden der Stadt, dessen Beschreibung interessant klingt. Leider ist der Platz voll, wir finden bald danach einen anderen (Camping Nærum, DKK 214.-). Bei unserer Ankunft ist gerade wieder einmal ein Platzregen, dann schauen wir zu, wie sich vor den Wohnwägen Teiche bilden... Wir werden ja sehen, ob bei dem Wetter aus dem geplanten Stadtbummel etwas wird.




Tag 24: Kopenhagen


Wir waren vor 24 Jahren zuletzt in Kopenhagen, unser Vater war dort abermals vor 10 Jahren und meint daher, er kenne für seinen Bedarf die Stadt gut genug und Roland und ich sollten allein dorthin fahren. Das Wetter ist schöner als in den kühnsten Träumen erwartet und so ziehen Roland und ich nach dem Frühstück los.

Man geht vom Campingplatz etwa fünf Minuten zur Haltestelle des Schnellbusses, der uns in etwa einer halben Stunde direkt ins Zentrum auf den Rådhuspladsen bringt. Zuerst wollen wir uns die astronomische Uhr im Rathaus ansehen. Diese "Jens-Olsen-Uhr", wie sie nach dem Erbauer benannt ist, wurde 1955 in Betrieb genommen. Die Uhr gibt neben der aktuellen "amtlichen" Zeit alle möglichen wichtigen astronomischen Parameter an. Uns faszinieren die Berechnung und die schöne Arbeit - man sieht durch eine Glasscheibe in das Uhrwerk.

Dann bummeln wir durch die Fußgängerzone, den Tørget. Hier "schieben" sich schon am frühen Vormittag die Menschenmassen, ein paar Schritte in eine Seitengasse gemacht und schon ist es friedlich. Wir besteigen den "Runden Turm" (Runde Tårn): in sieben großen Runden geht man im Inneren in die Höhe, ohne jede Stufe, dann folgen zwei Treppen und recht eine enge und kurze Wendeltreppe. Von oben hat man eine schöne Aussicht auf die Stadt bis weit in die Vororte, man kann auch schön die Öresundbrücke erkennen. Das Kaufhaus "Illum" ist in Reiseführern hoch gepriesen, bietet aber nichts anderes als jedes gute Kaufhaus auch.

Schon etwas müde geworden trotten wir nun über Christiansborg wieder zurück zum Rådhuspladsen und treten die "Heimreise" zum Campingplatz an.

Der Rest des Nachmittags wird mit Lesen in der Sonne verbracht und abends gibt es wieder dieses vertraute Geräusch am Wohnmobildach: Regen...




Tag 25: Kopenhagen - Odense - Kolding - Hamburg - Amelinghausen (620 km)


Die Höhepunkte sind unwiderruflich vorbei, der Urlaub auch beinahe und so beschließen wir nun, nicht die direkte Heimreise über die "Vogelfluglinie" zu wählen sondern den Umweg über die Store-Bælt-Brücke.

Hier sehen wir nochmals ein beeindruckendes Brückenbauwerk, einen letzten Blick auf das Meer und Schiffe machen wir in diesem Urlaub, ehe es durch das auf der Autobahn recht eintönig wirkende Flachland Dänemarks geht (Ich weiß, abseits der Autobahn ist es interessanter...)

Nachmittags erreichen wir die dänisch-deutsche Grenze bei Flensburg, um 18 Uhr haben wir Hamburg erreicht, das wir auf der Autobahn sogar ohne Stau durchqueren. In Amelinghausen in der Lüneburger Heide machen wir den Halt für die Nacht.

Die Gemeinde ist "wohnmobilfreundlich", auf zwei Parkplätzen stehen eine große Zahl von Wohnmobilen. Auf dem Platz beim Waldbad gesellen wir uns zu ihnen und verbringen eine ruhige Nacht (DM 8.-).




Tag 26: Amelinghausen - Hannover - Würzburg - Aschbach - Gerolzhofen (503 km)


Diesen Tag verbringen wir fast zur Gänze auf Deutschlands Autobahnen. Auch Gerolzhofen ist wohnmobilfreundlich und auch hier verbringen wir im Kreise einiger anderer Mobilisten eine ruhige Nacht.




Tag 27: Gerolzhofen - Nürnberg - Regensburg - Passau - Wels - Graz (585 km)


Die Heimat ruft und wir kommen. Diese Strecke ist uns schon allzu bekannt, mit einem kurzen Stopp zum Mittagessen geht es ohne weitere Fahrtunterbrechung der Heimat zu.